Vorschau auf die Investmentmärkte im November 2015

Geposted von Walter Feil am

Die Entwicklung der Investmentmärkte im November wird weiterhin davon geprägt, welche Maßnahmen die vier großen Notenbanken umsetzen werden. Dabei zählt nicht nur die tatsächliche Entscheidung, sondern bereits die Erwartung der Marktteilnehmer, welche Entscheidung die Notenbanken treffen werden.

Amerikanische Notenbank (Fed):
Zinserhöhung wird kommen, … irgendwann.

Seit Monaten verzögert die Fed die Entscheidung, ob und wann sie mit einer Erhöhung der Leitzinsen beginnt. Derzeit erwarten einige den Beginn von Zinserhöhungen im Dezember 2015, andere erste im ersten Quartal 2016.

Eine Erhöhung der Leitzinsen in den USA wird tendenziell …

  • den Wechselkurs des USD zu anderen Währungen nach oben treiben
  • eine Erhöhung auch der Zinsen für Anleihen nach sich ziehen
  • auf die Anleihemärkte in den Emerging Markets ausstrahlen, was auch dort tendenziell zu einer Erhöhung der Anleihezinsen führen könnte

Die Wirtschaft in den USA wird von den ersten Stufen der erwarteten Leitzinserhöhung wenig beeinflusst. Hier wirkt sich für export-orientierte Unternehmen die Erhöhung des USD-Kurses zu anderen Währungen durch eine Verschärfung der Wettbewerbs und die damit verbundene Minderung der Margen aus.

Europäische Notenbank (EZB):
Ausweitung des Anleiheankaufprogramms in Vorbereitung

Schon alleine die Ankündigung des Notenbank-Chefs Mario Draghi, dass die EZB das Kaufprogramm für Anleihen ausweiten könnte, führte zu einem Rückgang der Anleihezinsen und zu einem rasanten Anstieg der Aktienkurse in Europa. Unternehmen, die in den Nicht-Euro-Raum exportieren, profitieren von der Schwächung des Wechselkurses. Alle Unternehmen profitieren von der reichlichen Liquidität, die zur Verfügung steht – sie können sich günstig finanzieren und damit expandieren.

Japanische Notenbank (BoJ):
Verstärkung der Aktienkäufe in Diskussion

Die japanische Notenbank wird vermutlich in Kürze den Kauf von Aktien verstärken. Dies verursacht zusätzliche Nachfrage an den Börsen und damit Kurssteigerungen. Die andauernde Ausweitung der Liquidität führt zur weiteren Abwertung des Yen und damit zu einer Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der japanischen Unternehmen. Die Steigerung der Löhne und Gehälter bleibt weit hinter den Erwartungen der japanischen Regierung zurück. Damit wird einerseits die Inflation nicht auf den Stand gehoben, den die BoJ erreichen möchte, andererseits steigen auch die Personalkosten der Unternehmen nur wenig, was zu stabilen und steigenden Gewinnen beiträgt.

Chinesische Notenbank (PBoC):
Zinssenkungen und Reduzierung der Mindestreserven

Die PBoC veröffentlicht nahezu täglich neue Entscheidungen, mit welchen weiteren Maßnahmen sie die Wirtschaft in China unterstützen will. Dazu zählen Zinssenkungen, Verringerung der Mindestreserven (was zu einer Erhöhung des Darlehensvolumens führt), Sonderkredite vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen, Entlastung der Regionalverwaltungen durch Ablösung der teuren Schattenbanken-Kredite durch neue zinsgünstige Kredite, die Erlaubnis zur direkten Refinanzierung von Projekten in den Provinzen durch Ausgabe von Anleihen und zahlreiche Maßnahmen mehr.

Das tatsächliche Wirtschaftswachstum in China liegt in diesem Jahr unter dem offiziellen Plan. Die Regierung wird alles unternehmen, um den Rückstand bis zum Jahresende so weit wie irgend möglich aufzuholen.

Fortsetzung der Geldschwemme führt zu steigenden Aktienkursen

Die überreichlich verfügbare Liquidität führt dazu, dass

  • Unternehmen leichter expandieren können
  • Konzerne weiterhin eigene Aktien zurückkaufen, was die Nachfrage erhöht und zu einer (künstlichen) Erhöhung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses führt
  • Große Investoren ihre kreditfinanzierten spekulativen Positionen ausweiten, was ebenfalls zu steigenden Aktienkursen führt

Für den November stehen die Zeichen somit günstig, dass bis zum Monatsende – und auch darüber hinaus bis in das erste Quartal 2016 hinein – weitere Kurssteigerungen in den USA, in Europa, in Japan und auch in Asien (was stark von einer erneuten Wachstumsbeschleunigung in China profitiert) erreicht werden.

Anleihekurse sind schwer vorherzusagen

Steigende Leitzinsen führen tendenziell zu einer Erhöhung der Zinsen auch für langfristige Anleihen. Steigende Langfristzinsen führen regelmäßig zu Kursverlusten. Vor dem Hintergrund des allgemein niedrigen Zinsniveaus sind die Zinserträge aus den Anleihen auch so gering, dass Kursverluste damit nicht mehr ausreichend abgefedert werden.

  • Die Kurse von Anleihen in USD werden negativ beeinflusst, wenn die Fed mit Zinserhöhungen beginnt.
  • Die Erträge bei Anleihen in Euro sind so gering, dass schon geringe Kursverluste zu Buche schlagen
  • Unternehmensanleihen liefern im HighYield-Bereich noch gute Zinserträge. Diese Anleihen werden jedoch nicht ohne Grund auch als „JunkBonds“ (Schrottanleihen) bezeichnet.
  • Anleihen in Währungen der Emerging Markets haben eine Phase starker Währungsverluste hinter sich. Es ist schwer zu erkennen, welche Währung die nächsten Monate stabil bleiben oder sogar aufwerten wird.

In den Musterportfolios verzichte ich derzeit auf Anleihen mit Ausnahme von kurzfristigen US-Treasuries, die wenig Kursbewegung mit sich bringen, jedoch für den Euro-Anleger die Chance auf eine Aufwertung des USD gegen Euro.

 

 

Walter Feil