Kosten der gewählten Vermögensanlagen

Ein erheblicher Kostenfaktor bei den marktüblichen fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen sind die Kosten der gewählten Vermögensanlagen. Dieser Aspekt  wird aus meiner Sicht am häufigsten genutzt, um Versicherungskunden, meist unbemerkt, mit zusätzliche Kosten zu belasten. Die aus den Vermögensanlagen fließenden Provisionen (in der Fachsprache „Kickbacks“ genannt) sind sodann für die Versicherungsunternehmens und deren Vertriebspartner willkommene Einnahmequellen.

Fondsauswahl mit Rücksicht auf die Vertriebspartner

Grundsätzlich wählt der Versicherungsnehmer die Vermögensanlagen selbst aus. Er bestimmt, in welche Fonds, ETFs oder Vermögensverwaltungsstrategien angelegt werden soll. Allerdings steht dem Kunden nicht die gesamte Welt der Vermögensanlagen zur Auswahl, sondern eine Auswahlliste des Versicherungsunternehmens (VU) mit den für den entsprechenden Tarif freigeschalteten Positionen. Diese Liste wird häufig von den Interessen der Vertriebspartner, die den entsprechenden Tarif vermitteln wollen, beeinflusst. Grund hierfür ist, dass die Höhe der laufenden Vergütung, die die Vertriebspartner für die Betreuung ihrer Kundschaft erhalten, fast immer davon abhängt, welche Kickbacks das VU aus den allokierten Fonds erhält. Je höher die Kickbacks aus den Fonds für das VU, desto höher die laufende Vergütung für die Vertriebspartner.

Vergütung der Vertriebspartner versteckt über die Fonds

Hierzu als Beispiel: wenn ein Anlageberater (eine Bank, Sparkasse oder ein selbständiger Anlageberater) einem Anleger einen marktüblichen Publikumsfonds vermittelt, erhält dieser Anlageberater von der Fondsgesellschaft eine laufende, jährlich wiederkehrende Vergütung. Diese wird als Kickback, als Retrozession, als Bestandspflegevergütung oder auch als Vertriebsfolgeprovision bezeichnet. Unabhängig von der Wortwahl gilt: diese Vergütung wird aus dem Fondsvermögen heraus bezahlt und reduziert damit die Wertentwicklung des Fonds. Die Höhe dieser Vergütung (= Kostenbelastung für den Fonds) ist von Fonds zu Fonds unterschiedlich. Eine zunächst vereinfachte Schätzung: Sie liegt bei Geldmarktfonds bei Null bis 0,2 %, bei Rentenfonds bei 0,2 bis 0,6 %, bei Mischfonds bei 0,4 bis 0,8 % und bei Aktienfonds bei 0,5 bis 0,9 %. Diese Werte können nur Anhaltspunkte sein und in Einzelfällen stark abweichen.

Zwei Fonds-Tranchen für verschiedene Anlegergruppen

Marktüblich steht dem privaten Anlagepublikum stets nur die Retail-Tranche eines Fonds zur Verfügung. Diese Tranche beinhaltet die für die Vertriebspartner (Banken, Sparkassen, selbständige Anlageberater, …) vorgesehenen Kickbacks. Daneben gibt es für immer mehr Fonds auch eine Insti-Tranche. Dies ist ein Teilvermögen des gleichen Fonds, das speziell zur Nutzung durch institutionelle Anleger (Banken und Sparkassen für ihren Eigenbedarf, Versicherungen, Pensionskassen, …) vorgehalten wird. Diese Tranche wird nicht mit Kickbacks belastet. Es werden auch keine Kickbacks bezahlt. Dementsprechend ist die Wertentwicklung dieser Tranche stets besser als die Wertentwicklung der Retail-Tranche des gleichen Fonds.

Ergänzend kommt gelegentlich als dritte Variante noch eine „Spiegel-Tranche“ zum Einsatz, die – speziell für die Auswahlliste von fondsgebundenen Versicherungen – erhöhte interne Provisionen und damit erhöhte Kosten für den Kunden beinhalten. Diese „Spiegel-Tranche“ unterscheidet sich von den anderen, öffentlich beworbenen Tranchen des gleichen Fonds nur in der Höhe der intern kalkulierten Provisionen.

ETFs mit systematischen Kostenvorteilen

Die ETFs (Exchange-Traded-Funds = börsengehandelte Indexfonds) spielen eine Sonderrolle. Im Gegensatz zu den aktiv verwalteten Investmentfonds entfällt bei den ETFs das aktive Management. ETFs bilden stets nur passiv einen bestimmten Index ab. ETFs haben damit einen grundsätzlichen Kostenvorteil gegenüber aktiv gemanagten Investmentfonds. Dieser kann im Vergleich zu den Insti-Tranchen bei 0,50 bis 1,00 % und im Vergleich zu den Retail-Tranchen bei 1,00 bis 2,00 % liegen.

Vor diesem Hintergrund wird auch verständlich, warum nur wenige aktiv gemanagte Fonds über einen längeren Zeitraum den Vergleichsindex übertreffen: sie müssen zunächst ihre (Mehr-) Kosten hereinwirtschaften. Des gelingt in ausrecherchierten Märkten nur sehr wenigen Fondsmanagern. In exotischen Märkten finden wir häufiger Fondsmanager, die dank ihrer tiefen Recherche vor Ort und ihrer daraus resultierenden Selektion von Einzeltiteln tatsächlich bessere Ergebnisse erzielen als die ETFs, die passiv den jeweiligen Indizes abbilden.