Der Versicherungsnehmer ist der Chef im Ring

Der Versicherungsnehmer (VN) bei einer Versicherung hat eine ähnliche Rechtsposition wie der Kontoinhaber bei einem Bankkonto oder der Depotinhaber bei einem Depot. Der Versicherungsnehmer ist der Eigentümer des Vertrages. Er bestimmt, was damit geschehen soll.

  • Er legt den Umfang des Versicherungsschutzes fest.
  • Er legt die Laufzeit fest.
  • Er zahlt den Einmalbeitrag und / oder die laufenden Beiträge.
  • Er entscheidet über die Zusammensetzung der Vermögensanlagen.
  • Er entscheidet über künftige Umschichtungen.
  • Er fordert Teilauszahlungen an.
  • Er kann den Vertrag kündigen.
  • Er legt fest, wer die Auszahlung bei Ablauf des Vertrages erhält.
  • Er legt fest, wer die Auszahlung bei Eintritt des Versicherungsfalles erhält.
  • Er kann das Bezugsrecht jederzeit, auch mehrfach, ändern

Wenn die Beiträge aus einem Vermögen stammen, das eine einzelne Person aufgebaut hat, wird diese Person in der Regel auch der einzige Versicherungsnehmer sein. Wenn die Beiträge aus einem Vermögen stammen, das zwei Personen (z.B. ein Ehepaar) gemeinschaftlich aufgebaut haben, werden in der Regel beide Ehepartner Versicherungsnehmer sein. Dann entscheiden beide Versicherungsnehmer gemeinsam über die Einzelheiten des Vertrages. Alternativ schließt jeder der beiden Ehepartner einen separaten Vertrag ab, über den sodann jeder der beiden VN einzeln entscheiden kann.

Wie Sie als Versicherungsnehmer die Schenkung- und Erbschaftsteuer minimieren

Gemäß dem Erbschaftsteuergesetz werden Vermögensübertragungen durch Schenkungen und Vermögensübertragungen per Erbschaft beim Begünstigten zusammengerechnet. Übersteigt der Wert der insgesamt übertragenen Vermögenswerte den Freibetrag, wird Schenkung- bzw. Erbschaftsteuer erhoben. Zusammengerechnet werden jedoch nur alle Vermögensübertragungen, die innerhalb der letzten zehn Jahre erfolgten. Somit können die Freibeträge bei der Ermittlung der Schenkung- und Erbschaftsteuer alle zehn Jahre erneut genutzt werden.

Freibeträge bei der Schenkung- und Erbschaftsteuer

VerwandschaftsgradSteuerklasseFreibetrag
Ehegatten und eingetragene LebenspartnerI bzw. IIIEuro 500.000
Kinder, Enkelkinder (wenn deren Eltern verstorben sind),
Stiefkinder, Adoptivkinder
IEuro 400.000
EnkelkinderIEuro 200.000
Eltern, GroßelternIIEuro 20.000
Nicht verwandte ErbenIIIEuro 20.000

Wenn Sie einer bestimmten Person Vermögen übertragen wollen und davon ausgehen, dass der Erbfall von jetzt an gerechnet erst nach Ablauf von zehn oder mehr Jahren eintreten wird, können Sie damit ganz gezielt die für diese Person geltenden Freibeträge des Erbschaftsteuergesetzes doppelt nutzen, indem Sie den Vertrag auf diese Person übertragen.

Vorsicht: Sie geben damit auch Ihr Vermögen aus der Hand. Der VN ist Eigentümer des Vertrags. Legen Sie einen anderen als alleinigen oder zwei andere Versicherungsnehmer fest, entscheidet dieser bzw. diese über den künftigen Umgang mit dem Versicherungsvermögen. Der Vertrag und damit das Vermögen gehören nicht mehr Ihnen, sondern den neuen Versicherungsnehmern.

Eine häufig genutzte Gestaltungsmöglichkeit ist eine Schenkung an ein Familienmitglied (z.B. an ein Kind), das mit dem geschenkten Betrag sein eigenes Privat-Insuring-Vermögen aufbaut. Damit halten Sie den gesamten Vermögenszuwachs, der mit diesem Vertrag erzielt wird, von der Erbschaftsteuer frei.

Gestaltungstipp:
Wenn der Versicherungsnehmer nicht mit dem bisherigen Vermögensinhaber identisch ist, führt die Einzahlung in den Private-Insuring-Vertrag zu einer Vermögensübertragung: Der oder die bisherigen Vermögensinhaber übertragen das Vermögen an den oder die Versicherungsnehmer. Dies kann durchaus in Ihrer Absicht liegen, zum Beispiel, wenn Sie Freibeträge für Vermögensübertragungen mit Rücksicht auf die 10-Jahres-Regel mehrfach nutzen wollen.