USA: Zinserhöhung im Dezember wahrscheinlich

Geposted von Walter Feil am

Die Inflationsrate in den USA wird vermutlich stärker ansteigen als die meisten derzeit noch erwarten. Ein Grund hierfür ist auch die Systematik der Statistiken, gemäß der die Inflationsrate ermittelt wird.

Inflationsrate stets als Vergleich zum Vorjahr angegeben

Die Statistik nennt stets die Veränderung gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Damit haben starke Veränderungen der Inflationsrate im Vorjahres-Vergleichsmonat jetzt noch einmal Auswirkungen. Ein Beispiel hierfür ist:

Die Kosten für ärztliche Leistungen gingen im Januar 2015 stark zurück, nachdem eine gesetzliche Regelung unter dem ACA (Affordable Care Act) die Honorarsätze der Ärzte begrenzte. Die Grafik zeigt den starken Rückgang im Januar 2015. Dieser Effekt fällt per Januar 2016 aus der Statistik heraus – und führt damit zu einer Erhöhung der Inflationsrate „… im Vergleich zum Vorjahr“.

Arztkosten USA 2015

Weitere Beispiele sind die Effekte der starken Preisreduktion bei für alle Produkte, die auf Rohölverarbeitung aufbauen: Treibstoff für Autos und Lastkraftwagen, Heizöl, auch verwandte Produkte wie Gas, gingen stark im Preis zurück. Diese Preisreduktion fällt nun Monat für Monat mehr aus der Statistik heraus. Dies wird wieder zu steigenden Inflationszahlen in der Statistik führen (… „im Vergleich zum Vorjahr …“)

Arbeitsmarkt weiter positiv

Der Arbeitsmarkt in den USA hat sich seit 2010 kontinuierlich verbessert. Die jüngsten Daten vom Oktober bestätigen die positive Entwicklung mit einem Anstieg von 270.000 neuen Arbeitsplätzen außerhalb der Landwirtschaft.

Neue Arbeitsplätze USA im Oktober 2015

Mehr noch als der Blick auf die monatlichen Zahlen zeigt die längerfristige Betrachtung seit 1994 die kontinuierlich positive Entwicklung.

  • Die Arbeitslosigkeit sank seit dem Höchststand 2009 von neunneinhalb auf unter fünf Prozent.
  • Die Anzahl der Arbeitnehmer, die gegen ihre Absicht nur einen Teilzeitjob haben, sank seit dem Höchststand von zehn Prozent im Jahr 2009 auf sechs Prozent.

Arbeitslosigkeit USA von 1994 bis 2015

Diese positive Entwicklung nimmt der Fed einige Argumente, die sie bisher anführte, um eine Erhöhung der Leitzinsen erst in der Zukunft zu beschließen.

Zwei Drittel aller Marktteilnehmer erwarten eine Zinserhöhung im Dezember

Gemäß der Positionierung an den Terminmärkten rechnen nun zwei Drittel aller Marktteilnehmer damit, dass die US-Zentralbank in ihrer Sitzung am 16. Dezember eine Zinserhöhung um 0,25 Prozent beschließen wird. Diese Erwartung resultiert aus der Datenlage in den USA:

  • Die Anzahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze ist stark angestiegen
  • Die Arbeitslosenquote ist auf fünf Prozent gesunken
  • Die Erwartungen Hausindustrie sind unverändert positiv
  • Die Autoverkäufe legen weiterhin zu
  • Das Verbrauchervertrauen ist hoch, was weiter steigenden Konsum erwarten lässt

Einzig in der Fracking-Industrie ist ein weiterer Rückgang zu beobachten.

Aktienkurse vor moderatem Anstieg

Der Analysedienst „Capital Economics“ erwartet bis Ende 2016 folgende Entwicklungen:

  • Aktienkurse S&P 500 per Ende 2015 bei 2.100, Mitte 2016 bei 2.150 und Ende 2016 bei 2.200
  • USD zu Euro per Ende 2015 bei 1,05, Mitte 2016 bei 1,03 und Ende 2016 bei 1,00
  • Zinssatz für 10-Jahres-Treasuris per Ende 2015 bei 2,50 %, Mitte 2016 bei 2,80 % und Ende 2016 bei 3,50 %

Zinsanstieg wird zu Kursverlusten bei Anleihen führen

Wenn der erwartete Zinsanstieg bei den 10-jährigen Anleihen von etwa einem Prozentpunkt während des Jahres 2016 eintrifft, wird dies die Kurse der derzeit bereits ausgegebenen Anleihen nach unten drücken. Sehr vereinfachend hochgerechnet: Der Kurs einer Anleihe mit zehn Jahren Restlaufzeit fällt um fast zehn Prozent, wenn der Zinssatz für neue Anleihen mit gleicher Restlaufzeit um einen Prozentpunkt steigt.

Kommentar:
Der Blick in den Rückspiegel bei der Beurteilung einer Anleihen-Rendite führt zu einer gefährlichen Betrachtung. Die lange Zeitspanne mit kontinuierlich guter Rendite, bestehend aus hohen Zinserträgen und zusätzlichen Kursgewinnen wegen bisher fallender Zinsen führt zu keiner sinnvollen Prognose für die Zukunft: wenn der Zinssatz einer Anleihe steigt, führt dies zu Kursverlusten. Gleichzeitig liefern die jetzt niedrigen Zinserträge keinen Ausgleich mehr für die zu erwartenden Kursverluste. 

Grafiken: CE, London

Walter Feil