Per Ende 2014 meldet die deutsche Versicherungswirtschaft einen Bestand von 92,5 Millionen Lebens- und Rentenversicherungsverträgen. Den größten Zuwachs stellte die Gruppe der (konventionellen) Renten- und Pensionsversicherungen mit über 806.000 neu abgeschlossenen Verträgen alleine im Jahr 2014. Dazu kamen noch fast 700.000 Neuabschlüsse von fondsgebundenen Rentenversicherungen.

Das bedeutet: Auch im Jahr 2014 entschieden sich wiederum einige hunderttausend Versicherungsnehmer freiwillig, mit Rentenbeginn eine Enteignung zu akzeptieren.

Vermögensbesitzer während der Aufbauzeit

Wesentliches Merkmal einer privaten fondsgebundenen Rentenversicherung ist die freie Verfügbarkeit über das gesamte aufgebaute Vermögen während der Aufbauphase. Der Kunde entscheidet über die Zusammenstellung des Anlageportfolios. Er kann jederzeit Umschichtungen veranlassen. Er kann den Vertrag mit dem darin befindlichen Vermögen auch jederzeit kündigen und das Vermögen zum tagesaktuellen Wert auszahlen lassen – er ist in jeder Phase Herr über sein (Versicherungs-) Vermögen. Das ändert sich über Nacht, wenn die Rentenphase beginnt.

Almosenempfänger ab Rentenbeginn

Bis gestern war der Kunde noch Vermögensbesitzer – ab heute ist er Almosenempfänger. Sein Versicherungsvermögen wurde „verrentet“. Es wurde in das große Vermögenskollektiv einer „Leibrentenversicherung“ eingebracht. Es wurde umgetauscht in das Bezugsrecht für eine lebenslange Rentenzahlung. Aus 100.000 Euro jederzeit verfügbarem Vermögen wurde ein Anspruch auf vielleicht 300 Euro monatliche „Rente“.

Das klingt für mich wie eine Enteignung.

Was bedeutet „Verrentung“ für den Kunden?

Lassen Sie uns einmal kurz nachdenken, was zum Rentenbeginn mit dem bis dorthin aufgebauten Vermögen geschieht:

  • Der Anspruch auf Auszahlung des Deckungsstocks erlischt. Der Rentenberechtigte erhält dafür das Recht auf einen monatlichen Rentenbezug.
  • Die Rente wird so lange bezahlt, solange der Rentenberechtigte lebt. Das klingt schön. Jetzt fügen wir ein Wort hinzu: Die Rente wird nur so lange bezahlt, wir der Rentenberechtigte lebt. Todesfall des Rentenberechtigten führt zum endgültigen Verlust des vormals aufgebauten Vermögens. Keine Vererbung an Angehörige, keine Weiterzahlung, keine Kapitalrückgewähr.
  • Wenn Zusatzmodule eingebaut werden, die einen Teil des Vermögens für die Hinterbliebenen sichern, resultiert daraus eine Reduzierung der garantierten Monatszahlung.
  • Das Recht auf Einflussnahme auf die Art der Vermögensanlage erlischt. Jetzt entscheidet das Versicherungsunternehmen, wie das Kapital angelegt wird – soweit die Regulierungsbehörden überhaupt noch eine freie Entscheidung zulassen.
  • Die monatliche Auszahlungshöhe wird kalkuliert auf Basis der aktuellen Mindestverzinsung (seit 1.1.2015 ist dies 1,25 %) und mit planmäßigem Kapitalverzehr gemäß interner Kalkulation der Lebenserwartung (idR auf Alter 114 oder länger). Das führt zu einer geringen Rentenzahlung.
  • Chancen auf Mehrzahlungen sind gering, da Überschüsse künftig sehr unwahrscheinlich sind. (vergleiche hierzu https://private-insuring.de/zinszusatzreserve-fuehrt-zu-zweiklassengesellschaft-bei-Lebensversicherungen/ und alle weiteren Kommentare unter dem Stichwort „Zinszusatzreserve“, die aktuelle Informationen über diese gigantische Umverteilung bereitstellen)

Empfehlung: Prüfen Sie als Alternative eine freie Vermögensanlage

Die Alternative zu einer „Verrentung“ des Versicherungsvermögens ist die Wahl einer freien Vermögensanlage, bei der Sie selbst weiterhin Herr über Ihr Vermögen bleiben. Dies kann eine Vermögensanlage auf einem Depot mit einem Anlageportfolio gemäß Ihrer eigenen Vorstellung sein, oder auch ein Lebensversicherungsvertrag, der eine lange Laufzeit öffnet mit dem jederzeitigen Recht auf Teilauszahlungen. Damit bleiben Sie selbst der Vermögensbesitzer mit allen Möglichkeiten, über Ihr Vermögen zu verfügen.