Die Bezugsberechtigten erhalten die Auszahlung,
wenn der Vertrag fällig wird

Bei jedem Versicherungsvertrag wird bereits beim Abschluss bestimmt, wer bei Fälligkeit des Vertrages die Auszahlung erhalten soll. Das Recht auf vorzeitige Teilauszahlungen während der Laufzeit wird damit nicht eingeschränkt.

Zu unterscheiden ist:

  1. Bezugsberechtigung im Erlebensfall:
    Damit geben Sie an, wer die Auszahlung erhalten soll, wenn die Police nach Ablauf der vereinbarten Laufzeit fällig wird. Dies wird in der Regel der Versicherungsnehmer, also Sie selbst, sein. Bei zwei Versicherungsnehmern (VN) werden Sie die Auszahlung vermutlich auf die beiden VN aufteilen. Sie können jedoch auch andere Bezugsberechtigte benennen.
  2. Bezugsberechtigung bei Eintritt des Versicherungsfalls:
    Hier sei zunächst der Hinweis wiederholt, dass bei einer Auszahlung, die durch den Tod der versicherten Person fällig wird, die in der Police bis dahin aufgelaufenen Erträge (Zinsen, Dividenden, Veräußerungsgewinne, …) nicht der Einkommen- oder Abgeltungsteuer unterworfen werden. Damit kommen diese Erträge endgültig einkommen- und abgeltungsteuerfrei zur Auszahlung.
    Bei der Festlegung der Bezugsberechtigten denken Sie bitte weit voraus: es ergibt keinen Sinn, die versicherte Person gleichzeitig als bezugsberechtigt im Todesfall einzutragen – diese Person lebt dann ja nicht mehr.
    Sie können eine einzige oder auch mehrere Personen z.B. Ehepartner, Lebenspartner, Kinder, Enkel oder beliebige andere Personen als Bezugsberechtigte benennen – ähnlich wie in einem Testament.

Beschleunigte Auszahlung an namentlich benannte Bezugsberechtigte

Die namentliche Benennung von Bezugsberechtigten führt im Versicherungsfall zu einer schnellen Auszahlung. Das Versicherungsunternehmen muss nicht abwarten, bis der Erbschein vorliegt, was – insbesondere bei Streitigkeiten zwischen den Erben – sehr lange dauern kann. Die namentlich benannten Bezugsberechtigten müssen nur das Versicherungsdokument und den Nachweis, dass die versicherten Personen verstorben sind, vorlegen. Sie erhalten sodann die Auszahlung gemäß den Bestimmungen, die zum Zeitpunkt des Versicherungsfalls für den Vertrag hinterlegt waren.

Änderungen des Bezugsrechts sind jederzeit möglich

Die beim Abschluss erteilten Anweisungen kann der Versicherungsnehmer jederzeit – auch mehrfach – durch eine neue Mitteilung an das Versicherungsunternehmen ändern. Bezugsberechtigte können neben Personen auch Institutionen sein, zum Beispiel ein Tierheim, eine Stiftung, eine caritative Einrichtung, ein Verein, … . Alternativ können Sie auch einen Treuhänder benennen, dem Sie – als Beispiel – Anweisungen erteilt haben, wie er mit der Auszahlung verfahren soll. Damit können sie – als Beispiel – monatliche Auszahlungen zur Finanzierung bestimmter Projekte oder auch zur Finanzierung der Berufsausbildung für eine bestimmte Person bereitstellen.

Erbrecht berücksichtigen

Das Versicherungsunternehmen wird die Auszahlung wie im Vertrag hinterlegt vornehmen. Gleichwohl ist aus Sicht des oder der Versicherungsnehmer zu berücksichtigen, dass die Auszahlung des Versicherungsvermögen grundsätzlich eine Übertragung von Vermögenswerten darstellt. Hierbei sollten erbrechtliche Vorschriften nicht gänzlich außer Acht gelassen werden. Im Zweifel ist die Beratung durch einen erfahrenen Erbrecht-Spezialisten zu empfehlen.

Freibeträge bei Schenkung/Erbschaftsteuer nutzen

Bei der Festlegung der Bezugsberechtigten sollten – vor allem bei größeren Versicherungsvermögen – auch die erbschaftsteuerlichen Folgen bedacht werden. Die Aufteilung der Auszahlung auf mehrere Bezugsberechtigte (z.B. Kinder und Enkel) kann dazu führen, dass erbschaftsteuerliche Freibeträge  bestmöglich genutzt werden. In Einzelfällen kann auch ein Versicherungsnehmerwechsel (= Übertragung des Versicherungsvermögens an eine oder zwei andere Versicherungsnehmer, z.B. Kinder) in Betracht kommen, um die alle zehn Jahre neu auflebenden Freibeträge bei der Schenkung/Erbschaftsteuer mehrfach zu nutzen. Insbesondere bei größeren Vermögen sollte der Rat eines versierten Steuerexperten, der die Vermögensverhältnisse des Versicherungsnehmers genau kennt, eingeholt werden.

Praxistipp:
Definieren Sie den oder die Bezugsberechtigten sehr genau. Denken Sie daran, dass das Versicherungsunternehmen (VU) diese Person(en) nach 20, 30 oder 40 Jahren noch finden und identifizieren muss, um Ihre Anweisung zur Auszahlung zu erfüllen. Je genauer die Bezugsberechtigen definiert sind, umso einfacher ist es für das VU, die Auszahlung gemäß Ihrer Vorgabe durchzuführen. Sinnvoll ist zum Beispiel neben der Angabe des vollständigen Namens und des Geburtsdatums die Angabe der ID-Nummer für jede bezugsberechtigte Person.