Ein Kunde sandte ein Mail mit folgender Anfrage:

„Sehr geehrter Herr Feil, 

mit großem Interesse verfolge ich meine Geldanlagen / Versicherungsvermögen bei (Gesellschaft X). Vielen Dank für die guten und regelmäßigen Updates. Auch ich als non-finance kann den Ausführungen und Inhalten seit Jahren gut folgen.

Ich bin aktuell in der Lage ca. 100 T€ neu anzulegen. Wie? Da ich 54 Jahre alt bin, habe ich kein Interesse mehr an langjährigen Anlagen, ohne an das Geld rankommen zu können; auch für meine private Altersversorgung laufen bereits viele Dinge ganz gut. Ich interessiere mich für ein ausgewogene Anlage zw. Sicherheit (40%) und Restrisiko (60%). Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir dazu einen oder auch mehrere Vorschläge machen könnten. …“

Antwort:

Sehr geehrter Herr …,

aus Ihrer Anfrage entnehme ich folgende Auswahlkriterien für die gesuchte Vermögensanlage:

  1. Die Vermögensanlage soll jederzeit verfügbar sein.
    Dies schließt die Beteiligung an geschlossenen Fonds oder den Erwerb einer Immobilie aus. Möglich sind jedoch grundsätzlich die Investition in Anleihen und Aktien oder entsprechende Fonds.
  2. Die Vermögensanlage ist für unbestimmt lange Zeit gedacht.
    Per heute gibt es noch kein feststehendes Auflösungsdatum. Es soll einfach „Geld für später“, zur jederzeitigen Verfügung, wann immer Sie es anderweitig einsetzen wollen, sein. Da auch für die Altersversorgung „viele Dinge bereits ganz gut laufen“, vermute ich, dass eine regelmäßige Auszahlung aus der jetzt angedachten Vermögensanlage nicht vorgesehen ist. Es soll einfach eine Reserve „für alle Fälle“ sein.
  3. Die Vermögensanlage soll einen guten Kompromiss zwischen „Sicherheit“ und „Restrisiko“ darstellen.

Was ist „Sicherheit“?

Lassen Sie mich zunächst etwas über den Begriff „Sicherheit“ sprechen. Was verstehen wir unter „Sicherheit“? Ist es die Gewissheit, dass wir das angelegte Kapital auf jeden Fall wieder zurückbekommen? Dass es nicht gestohlen, nicht veruntreut, nicht beschlagnahmt, nicht entwertet wird? Ist eine Staatsanleihe mit x Prozent Zinsertrag und einem Rückzahlungsversprechen nach 10 Jahren Laufzeit „sicher“? Dann fragen wir einmal die Anleger, die Euro-Staatsanleihen von Griechenland oder Zypern gekauft hatten. Eine einzige Entscheidung der Politik – und schon waren die Anleihen abgewertet. Oder empfinden wir eine zyklische Wertschwankung einer Aktie, eines Aktienfonds oder Aktien-ETFs als „unsicher“?

Generationen von Anlageberatern in Sparkassen und Banken haben uns eingebläut, dass Anleihen „sicher“ sind und Aktien „unsicher“. Ich teile diese Einschätzung nicht. Die Tatsache, dass eine Vermögensanlage in Aktien (direkt oder per Aktienfonds oder ETF) jeden Tag Wertschwankungen unterliegt, macht diese Vermögensanlage nicht unsicher. Schwankungen um eine durchschnittliche Wertentwicklung sind keine „Unsicherheit“. Es sind einfach nur … Schwankungen, und dies in beide Richtungen.

Wenn ich die Frage konsequent zu Ende denke, hätte ich mit Blick auf die Sicherheit meiner Vermögensanlagen für die nächsten zwanzig Jahre lieber ein Sortiment von erstklassigen Qualitätsaktien im Depot (darunter verstehe ich Aktien von Weltfirmen, die seit 50 oder mehr Jahren existieren, jedes Jahr Dividende ausschütten und durch beständiges Wachstum den Wert des Unternehmens steigern) als ein Sortiment von Anleihen europäischer Staaten. 50.000 Euro, aufgeteilt auf 50 Aktien (= Miteigentumsanteilen) von 50 Weltkonzernen aus verschiedenen Branchen und in verschiedenen Ländern liefern mir mehr „Sicherheit“ für mein Vermögen als 50.000 Euro Anleihen von europäischen Staaten.

Lassen Sie uns zunächst klären, ob wir mit dieser Einschätzung gleich liegen. Wenn Sie die Tatsache, dass Aktien an den Börsen gehandelt werden und dort jede Sekunde ein neuer Kurs als Balance zwischen Angebot und Nachfrage gestellt wird, als „unsicher“ empfinden, werde ich meine Vorschläge danach richten.

Investieren Sie acht Minuten für das Video: Was bedeutet für Sie „Risiko“? Ganz bestimmt sind einige Anregungen dabei, über die es sich nachzudenken lohnt.

Video: Was bedeutet für Sie „Risiko“?

Im Übrigen erleben wir Schwankungen des aktuell benannten Wertes in zahlreichen Wirtschaftsbereichen, und wir haben längst gelernt, diese Schwankungen zu unserem Vorteil zu nutzen.

  • Wenn wir nicht darauf aus sind, gleich zu Saisonbeginn das allerneueste Skimodell zu fahren, warten wir bis zum Schlussverkauf und bekommen die gleichen Ski, die gleiche Qualität, das gleiche Modell „mit einer Preisschwankung nach unten“.
  • Wenn wir frei entscheiden können, wann wir das nächste neue Auto kaufen, warten wir, bis der Run auf das neue Modell vorüber ist und die Händler ihre Kontingente abverkaufen müssen – und kaufen dann „mit einer Preisschwankung nach unten“.
  • Wenn wir nicht gezwungen sind, etwas ganz bestimmtes (was derzeit schwer zu beschaffen ist) auf den Speisezettel zu setzen, gehen wir auf den Markt und kaufen das ein, was derzeit im Überfluss geerntet wird – „mit einer Preisschwankung nach unten“.

Warum sollten wir dies bei einer Beteiligung an einem Unternehmen anders handhaben? Angebot und Nachfrage bestimmen den Kurs einer Aktie, und meistens übertreiben die Märkte – in beide Richtungen. Nach einiger Zeit kehrt der Preis wieder in Richtung durchschnittlicher Entwicklung zurück. Die Schwankung pendelt in die andere Richtung.

Was ist „ausgewogen“?

Die Investmentindustrie kam dem Bedürfnis von Millionen Anlegern nach und hat ihre Fonds in „Risikogruppen“ eingeteilt. Gemäß den gültigen Vorschriften zur Durchführung einer Anlageberatung ist ein Interessent zu qualifizieren mit dem Ziel, seine wirtschaftliche und mentale „Risikotragfähigkeit“ festzustellen. Dementsprechend sind ihm dann Fonds der dazu passenden Risikogruppe anzubieten.

Was für ein Unsinn! Ich habe noch nie einen Anleger kennengelernt, der seine gesamten Vermögensanlagen gemäß einer einzigen „Risikostufe“ allokieren wollte. Viel sinnvoller ist es, darüber zu sprechen, wie viel Kapital zur Verwendung gemäß einer spontanen Entscheidung oder Notlage bereitgehalten werden muss, wie viel Kapital mit einer Vorlaufzeit von etwa drei  bis fünf Jahren anders verwendet werden soll und welcher Restbetrag verbleibt, der mit hoher Wahrscheinlichkeit erst in ferner Zukunft anders eingesetzt werden soll. Sie ahnen vermutlich schon, zu welcher Empfehlung dies führt: Teilen Sie die Vermögensreserven in verschiedene Zeit-Gruppen. Der wesentliche Punkt ist, wann Sie über den entsprechenden Betrag wieder verfügen wollen und wie viel Zeit verbleibt, um eine Entscheidung für anderweitige Verwendung umzusetzen.

  1. Geld zur jederzeitigen kurzfristigen Verfügung
    Vermögensreserven, die zur spontanen Verwendung bereitgehalten werden, dürfen überhaupt keinen Wertschwankungen ausgesetzt werden. Dieser Teilbetrag gehört auf ein Konto, das täglich verfügbar ist und dessen Wert keinen zyklischen Schwankungen unterliegt, denn dann würde eine „Wertschwankung nach unten“ das Risiko eines persönlichen Verlustes mit sich bringen, wenn das Kapital gerade zum „falschen“ Zeitpunkt gebraucht wird.
  2. Vermögen zur anderweitigen Verwendung mit drei bis fünf Jahren Vorlaufzeit
    Vermögensreserven, über die mit einer Vorlaufzeit von drei bis fünf Jahren anders verfügt werden sollen, dürfen mäßigen Wertschwankungen ausgesetzt werden. Das könnte im jetzigen Umfeld ein Sortiment von Fonds sein, die mit einem sehr aktiven Absolut-Return-Ansatz verwaltet werden, womit das Fondsmanagement die Wertschwankungen in einer nur mäßigen Schwankungsbreite halten kann.
  3. Vermögensreserven „für später“
    Der Teil aus den gesamten Vermögensreserven, der erst in ferner Zukunft anderweitig eingesetzt werden soll, kann  höheren Wertschwankungen ausgesetzt werden, wenn sich damit bessere Rendite-Chancen eröffnen. Dieser Teil muss aber rechtzeitig vor dem endgültigen Entnahmezeitpunkt umgeschichtet werden in weniger schwankungsintensive Anlagen, um „zum Termin“ nicht gerade in einem Schwankungstal zu liegen.

Wie gestalten Sie die Vermögensanlage „jederzeit verfügbar“?

  • Geld zum spontanen Bedarf
    gehört auf ein Konto, das grundsätzlich jeden Tag Abbuchungen zulässt.
  • Vermögensreserven für die mittelfristige Verfügung
    können Sie auf einem Depot halten, über das Sie Fonds (bitte stets ohne Ausgabeaufschlag) mit nur mäßigen Schwankungen kaufen. Diese Fonds sind grundsätzlich jeden Börsentag verkaufbar, sollten aber vorsichtshalber bei näher rückendem Entnahmebedarf zu einem günstigen Zeitpunkt („Schwankung nach oben“) schon vorab in nötiger Gr0ßenordnung verkauft werden. Der Erlös wandert dann auf das Konto. Steuerliche Überlegungen spielen hierbei eine untergeordnete Rolle, da mit diesen Fonds keine besonders hohe Rendite erreichbar ist: die Fokussierung auf Fonds mit nur mäßigen Wertschwankungen führt auch zu nur mäßigen Rendite-Erwartungen.
  • „Geld für später“
    sollte im Rechtsrahmen einer steuerbegünstigten Versicherung aufgebaut werden. Auf dieser Webseite werden Tarife vorgestellt, deren Kosten so gering sind, dass die Steuerbegünstigung auch unter Berücksichtigung der Kosten zu einer signifikanten Mehr-Rendite „nach Steuern“ führt. Bitte lesen Sie hierzu die Erläuterungen – auch zu den Kosten – unter dem Menüpunkt „FAQs“ (Frequent asked Questens = häufig gestellte Fragen). Auch diese Art der Vermögensanlage ist jederzeit verfügbar, zu jedem beliebigen Zeitpunkt. Dies folgt aus der Möglichkeit, jederzeit Teilentnahmen durchzuführen oder den Vertrag auch jederzeit aufzulösen.

Wie hoch die Teilbeträge in jeder der drei Gruppen sein sollten, ermitteln Sie selbst, indem Sie den Bedarf an kurzfristig, mittelfristig und erste später verfügbaren Kapitalreserven berechnen. Alle drei Arten von Vermögensanlagen sind grundsätzlich kurzfristig verfügbar, das Kontengeld sogar von einer Stunde auf die andere. Die Aufteilung erfolgt nur, um das aus den Wertschwankungen entstehende Bewertungsrisiko nicht zu einem persönlichen Risiko werden zu lassen (siehe Video)

Zur Veranschaulichung füge ich eine Grafik hinzu, die drei unterschiedliche Vermögensanlagen seit Anfang 2010 bis 20.01.2016 im direkten Vergleich darstellt:

  • Schwarz: Sortiment von Absolute Return Fonds mit geringen Wertschwankungen
  • Grün: Dachfonds mit dem Ziel von nur mäßigen Schwankungen
  • Blau: Weltaktienindex, wie er als ETF und Bestandteil einer „Private-Insuring-Police“ gewählt werden könnte

Vergleich drei Anlage-Vorschläge zur Veranschaulichung 2010 bis 2015

Die „blaue“ Vermögensanlage in Aktien weltweit gestreut hat die letzten Wochen einen heftigen Wertrückgang erfahren. Das kann man nun aus zwei Seiten betrachten:

  • Der gesamte Vermögenszuwachs mit dieser Anlage über die sechs Jahre war immer noch deutlich höher als bei den anderen beiden
  • Wenn diese Anlage ein Sortiment von Qualitätsaktien darstellt, dann ist gerade nach einem Rückgang der beste Zeitpunkt für den Kauf.

Einzelheiten besprechen wir gerne telefonisch. Sie erreichen mich in der Regel jeden Vormittag unter 07223 – 990 98 11.